Heimische Orchideen in der Eifel

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Inhalt

Einführung.
Orchideen - Eine kleine Einführung.
Exkursionsziele, Lebensräume und Arten.
Kalkhalbtrockenrasen bei Nettersheim.
Feuchtwiesen und Heiden auf saurem Standort.
Kalkhalbtrockenrasen bei Bad Münstereifel.
Muschelkalkkuppen bei Zülpich.

Quellen, Literatur, Links.

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Einführung

Orchideen - Eine kleine Einführung

Epipactis palustris

Abb. 1:
Blüten der Sumpf-Stendelwurz
Epipactis palustris.

Orchideen gehören wie z. B. Lilien und Gräser zu den einkeimblättrigen Pflanzen. Mit wenigen Ausnahmen sind deren Blätter parallelnervig. Orchideen besitzen einen charakteristischen Blütenbau mit zwei mal drei Blütenblättern, - drei Kelchblättern und drei Kronblättern -, von denen eines oft besonders auffallend als Lippe ausgeprägt ist (Abb. 1). Es dient z. B. als Landestelle für Insekten. An den Wurzeln befinden sich Speicherorgane. Von solchen hodenförmig ausgeprägten Speicherorganen rührt die Bezeichnung „Knabenkraut“.

Neottia nidus-avis

Abb. 2:
Vogelnestwurz
Neottia nidus-avis.

Orchideen bilden winzige Samen in großer Menge, die in der Regel durch den Wind verbreitet werden. Dabei treten hohe Verluste auf. Andererseits können die Arten dadurch aber auch weit entfernt von ihrem bisherigen Standort auftreten. Die zahllosen Samenanlagen müssen zuverlässig befruchtet werden, weshalb viele Orchideenarten eng an bestimmte Bestäuber angepasst sind. Da in den kleinen Samen nur wenig Nährstoffe gespeichert sein können, sind viele Arten bei der Keimung auf die Gemeinschaft mit Pilzen angewiesen. Auch ausgewachsene Pflanzen behalten diese Symbiose oft bei. Der Pilz, mit dem feinen Geflecht seiner Pilzfäden, versorgt die Orchidee mit Wasser, Nährstoffen aus dem Boden und organischen Verbindungen. Von der Orchidee erhält der Pilz Zucker, die die Pflanze durch Photosynthese gewinnt. Einige Orchideenarten leben vollständig als Schmarotzer. Dazu zählt z. B. die Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis) (Abb. 2), eine Orchidee, die auf dunklen Waldstandorten wächst und ihr Blattgrün völlig verloren hat.

Die Orchideen bilden eine entwicklungsgeschichtlich noch sehr junge Pflanzenfamilie. Wahrscheinlich ist dies ein Grund dafür, dass sie in einer ungewöhnlichen Variabilität auftreten - mit zahlreichen Arten, Formen und Anomalien - und häufig Mischlinge bilden.

Exkursionsziele, Lebensräume und Arten

Kalkhalbtrockenrasen bei Nettersheim

Die Exkursion führte zunächst in den Nordosten der Eifel auf einen Kalkhalbtrockenrasen in der Umgebung von Nettersheim. Nettersheim liegt im Gebiet einer sogenannten Eifelkalkmulde. Vor 300 Millionen Jahren befand sich hier ein tropisches Riff. Riffkalke bilden den Untergrund.

Landschaft Kalkeifel

Abb. 3:
Landschaft der Kalkeifel.

Typisch für die Kalkeifel ist die wellige, offene Landschaft, mit Schlehen- und Weißdornhecken, Kalkscherbenäckern und eingeschnittenen Bachtälern (Abb. 3). An den Hängen findet man artenreiche, gerade im Frühjahr blütenbunte Buchenwälder. Eine der Waldgesellschaften ist der Orchideenbuchenwald. Einiger der für die Wälder typischen Arten konnten wir in den Gehölzen am Rande der besuchten Grünlander beobachten, so etwa die Waldhyazinthe (Platanthera spp.) und das Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium).

Kalkhalbtrockenrasen

Abb. 4:
Kalkhalbtrockenrasen bei Nettersheim.

Ein typischer Lebensraumtyp der Kalkeifel sind auch die Kalkhalbtrockenrasen (Abb. 4). Es handelt sich meist um südexponierte Hänge auf Kalkgrund. Im Untergrund versichert das Wasser schnell. Bei Sonneneinstrahlung sind die Standorte sehr warm. Dadurch kommen hier einige Arten vor, die sonst im Mittelmeergebiet verbreitet sind, wie z. B. die Bienenragwurz (Ophrys apifera). Die Magerrasenstandorte sind relativ nährstoffarm. In der Regel wurden sie in der Vergangenheit beweidet oder einmal jährlich gemäht, jedoch nicht gedüngt. Trockenheit und Hitze sorgen im Sommer dafür, dass wenig Nährstoffe freigesetzt werden. Auf diesen Standorten können sich einige spezialisierte Arten behaupten, die in den produktiven Wirtschaftswiesen der Konkurrenz nicht gewachsen sind. Heute ist es in vielen Fällen problematisch, Kalkhalbtrockenrasen zu erhalten, da sich die Flächen in der Regel nicht gewinnbringend nutzen lassen.

Orchis mascula

Abb. 5:
Mannsknabenkraut
Orchis mascula.

Für Kalkmagerrasen typisch ist das Mannsknabenkraut (Orchis mascula) (Abb. 5), das aber auch in lichten Wäldern und mageren Gebirgswiesen vorkommt. Die Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea) (Abb. 6), deren Blüten an Mücken erinnern sollen, konnte im Mai leider noch nicht blühend angetroffen werden. Zu den Insektentäuschblumen gehört die Fliegenragwurz (Ophrys insectifera) (Abb. 7). Mit ihrer Blüte imitiert sie die Weibchen von Grabwespen und verströmt zusätzlich einen Sexuallockstoff. Bei ihren Begattungsversuchen tragen die Männchen zur Bestäubung bei. Dabei bietet die Fliegenragwurz Insekten keinen Nektar an, ebenso wie Knabenkräuter. Waldhyazinthen (Platanthera spp.) (Abb. 8) kommen in der Eifel in zwei sehr ähnlichen Arten vor. Sie sind typisch für verbuschende Wiesen und lichte Wälder, aber auch Halbtrockenrasen. Ihre Blüten besitzen einen langen Sporn und werden von langrüsseligen Nachtfaltern besucht. Eine weitere, weniger auffällige, grün blühende, aber doch relativ weit verbreitete Art ist das Eiförmige Zweiblatt (Listera ovata) (Abb. 9). Durch seine zwei großen, eiförmigen Blätter ist die Art unverkennbar. Das Eiförmige Zweiblatt kommt nicht nur auf Kalk und Halbtrockenrasen, sondern auch in anderen Grünländern und Wäldern vor.

Gymnadenia conopsea Ophrys insectifera Platanthera sp. Listera ovata

Abb. 6:
Mückenhändelwurz
Gymnadenia conopsea.

Abb. 7:
Fliegenragwurz
Ophrys insectifera.

Abb. 8:
Waldhyazinthe
Platanthera sp..

Abb. 9:
Eiförmiges Zweiblatt
Listera ovata.



Feuchtwiesen und Heiden auf saurem Standort

Feuchtwiese

Abb. 10:
Feuchtwiese mit Breitblättrigem und
Geflecktem Knabenkraut
Dactylorhiza majalis und D. maculata.

Das zweite Exkursionsziel war ein feuchtes Heide- und Feuchtwiesengebiet auf saurem Untergrundgestein. Die Heiden waren hier früher sehr viel ausgedehnter. Entstanden sind sie durch Übernutzung des Waldes, Schafbeweidung, Plaggenhieb und sogar Feld-Heide-Wechselwirtschaft. Mit dem Verschwinden dieser Wirtschaftformen schrumpften auch die Heideflächen. Große Teile der verbliebenen Flächen hat die Nordrhein-Westfalen-Stiftung für Naturschutzzwecke angekauft und gesichert.
Neben zahlreichen interessanten Pflanzenarten dieser Lebenräume, wie z. B. Schmalblättrigem Wollgras (Eriophorum angustifolium), Glockenheide (Erica tetralix) und Borstgras (Nardus stricta) können im Gebiet Massenbestände zweier für feuchte Wiesen typischer Orchideenarten bewundert werden – des Breitblättrigen- und des Gefleckten Knabenkrauts (Dactylorhiza majalis und Dactylorhiza maculata) (Abb. 10).
Außerdem findet man hier die Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride), eine stark gefährdete, sehr unauffällige, grünlich-bräunlich blühende Art der Gebirgslagen. In der umgebenden Landschaft befinden sich einige blumenbunte Bergmähwiesen.

Kalkhalbtrockenrasen bei Bad Münstereifel

Orchis ustulata Orchis purpurea

Abb. 11:
Brandknabenkraut
Orchis ustulata.

Abb. 12:
Purpurknabenkraut
Orchis purpurea.

Die weiteren Exkursionsstandorte lagen wieder auf Kalkuntergrund. Bei Bad Münstereifel wachsen wiederum Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea), Grüne Hohlzunge (Coeloglossum viride), Mannsknabenkraut (Orchis mascula), Eiförmiges Zweiblatt (Listera ovata) und Fliegenragwurz (Ophrys insectifera). Dazu kommt Brandknabenkraut (Orchis ustulata) (Abb. 11), dessen Blütenstand, solange er noch nicht voll erblüht ist, wie verbrannt aussieht. Auch hierbei handelt es sich um eine typische Art der Magerrasen und mageren Bergwiesen, die sehr empfindlich gegenüber Konkurrenz und Beschattung ist. Sehr auffällig, unverwechselbar und oft kniehoch ist das Purpurknabenkraut (Orchis purpurea) (Abb. 12). Diese Art wächst auf Kalkgrund im Schatten von Büschen und Bäumen oder in Wäldern. Neben der Waldhyazinthe (Platanthera spp.) ist das Weiße Waldvögelein (Cephalanthera damasonium) eine Orchideenart der Gebüsche und Wälder in Kalkgebieten. Interessant ist, dass diese Art nur sehr selten ihre Blüten öffnet und selbstbefruchtend ist. In Gebüschen und Wäldern ist es für Pflanzenarten relativ schwierig, Bestäuber anzulocken. Neben Vogelnestwurz (Neottia nidus-avis) sind noch einige Ständelwurzarten (Epipactis spp.) typisch für die Wälder der Kalkeifel. Sie blühen allerdings noch nicht im Mai.

Muschelkalkkuppen bei Zülpich

Ophrys apifera Aceras anthropophorum

Abb. 13:
Bienenragwurz
Ophrys apifera.

Abb. 14:
Ohnsporn
Aceras anthropophorum.

Das letzte Exkursionsziel war ein weiterer Kalkhalbtrockenrasen am äußersten Nordrand der Eifel. Von den Kuppen öffnet sich bereits ein weiter Blick in die Ebene der Zülpicher Börde. Über Sandsteinen stehen Kalke der Muschelkalkformation an. In diesem Bereichen gibt es ebenfalls Kalkhalbtrockenrasen, die in der Vergangenheit durch Schafe beweidet wurden. Hier kann man wiederum die Mückenhändelwurz (Gymnadenia conopsea) beobachten. Neben dem Eiförmigen Zweiblatt (Listera ovata) und der Grünen Hohlzunge (Coeloglossum viride) findet sich noch eine weitere unauffällige grünblühende Orchideenart, der Ohnsporn (Aceras anthropophorum) (Abb. 13). Die Blüten sehen kleinen hängenden Männchen mit Armen und Beinen ähnlich, weshalb die Art auch als „Hängender Mensch“ bezeichnet wird. Sie ist typisch für Kalk- und Lössgebiete und wächst bevorzugt auf Magerrasen, mageren Wiesen und in lichten Wäldern. Neben Ophrys insectifera, der Fliegenragwurz, kann man mit Ophrys apifera, der Bienenragwurz (Abb. 14), eine weitere Insektentäuschblume beobachten. Offenbar lebt diese Art bei uns jedoch weitgehend selbstbefruchtend ohne ihre Wirtsinsektenart. Eine sehr seltene Art ist die Bocksriemenzunge, Himantoglossum hircinum. In NRW kommt sie nur am Nordrand der Eifel vor, in Deutschland fast nur im Südwesten. Auffällig an ihrer Blüte ist die lange gedrehte Zunge. Nachts riecht die Pflanze nach Ziegenbock. Die Bockriemenzunge wächst in Kalkgebieten auf verbuschenden Halbtrockenrasen und in lichten Wäldern.

Quellen, Literatur, Links

Literaturhinweise und Quellen
Barthel, P. H. (1993): Orchideen erkennen und schützen. Kosmos-Naturführer. Stuttgart.
Buttler, K. P. (1986): Orchideen. Steinbachs Naturführer. Mosaik-Verlag. München.
Presser, H. (2000): Orchideen. Die Orchideen Mitteleuropas und der Alpen. Nikol Verlagsgesellschaft. Hamburg.
NRW Stiftung (2008): Sistig-Krekeler Heide. Gebietsbeschreibung. online unter: http://www.ikg.uni-bonn.de/nafgi/index.php?id=9&area=2. abgerufen am: 09.06.2008.

Surftipp: Homepage des "Arbeitskreis Heimische Orchideen NW (AHO)"
Der "Arbeitskreis Heimische Orchideen NW" informiert auf seiner Homepage ausführlich über die einzelnen heimischen Orchideenarten und Orchideenlebensräume.
(Link: https://mlanganke.de.)